Adam Geist (Dea Loher)

Diplomprojekt der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin, Abteilung Puppenspielkunst.
Koproduktion theater konstellationen mit FFT Düsseldorf, Puppentheater Dresden / TJG, unterstützt durch die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin (Abteilung Puppenspielkunst), die Schaubude Berlin und Fonds Darstellende Künste.

 

Adam Geist ist die Passionsgeschichte eines jungen Mannes, der gut sein will und doch schuldig wird. In Ihrem Stationendrama schickt Dea Loher ihren Helden in eine Welt, die bestimmt ist von Verrat und Brutalität. Unsere Bearbeitung setzt – wie auch schon in "Heidi, das Original" – auf ein Zusammenwirken von Schauspiel, Puppenspiel und Musik. Die Geschichte von Adam Geist wird zu einem Totentanz, in dem die Toten wiederkehren auf den Seziertisch der Geschichte.

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Geschichte / Autorin

Die Geschichte

Adam Geist ist die Passionsgeschichte eines schlichten jungen Mannes, der gut sein will und doch schuldig wird; der eins ums andere verliert und darüber vereinsamt und verzweifelt. Seine Hand sitzt lose, und wenn man sein feines Gerechtigkeitsempfinden beleidigt, zückt er das Messer. Den Tod seiner geliebten Mutter, die für die anderen eine Verrückte war, verkraftet er nicht. Adam gerät unter die Junkies, die Fremdenlegionäre, die Söldner. Bei der Feuerwehr wird er zum Helden, den Tod eines Freundes rächt er mit einem Kettensägenmassaker. Grausamkeit und Bösartigkeit trifft er in der Welt an und Brutalität gibt er ihr zurück, wenn er sich nicht anders zu helfen weiss. Die grösste Tragik seines Lebens ist, dass er töten muss, was er liebt. Adam Geist ist zwar eine Tragödie, jedoch nicht ohne Komik in den Details. Das zentrale Thema ist auch in diesem Stück von Dea Loher die Frage nach der Schuld. Adam Geist gehört zum Ergreifendsten, was gegenwärtig fürs Theater geschrieben wird. (Kekke Schmid)

AUTORIN

Dea Loher, geboren am 20. April 1964 in Traunstein. Bis 1988 Studium der Germanistik und Philosophie in München. Anschliessend diverse Jobs und kleinere Arbeiten für den Rundfunk. Ab 1990 Studentin in der Autorenklasse der Hochschule der Künste Berlin.

Für ihr erstes Theaterstück Olgas Raum (1990) wurde sie mit dem Dramatikerpreis der Hamburger Volksbühne ausgezeichnet.

Weitere Stücke: Tätowierung (UA 1992), Leviathan (UA 1993), Das fremde Haus (UA 1994), Blaubart - Hoffnung der Frauen (1997). Nachwuchsautorin der Jahre 1993 und 1994.

Für Adam Geist (UA 1998, Niedersächsisches Staatstheater Hannover, Regie: Andreas Kriegenburg) erhielt sie 1998 den Mühlheimer Dramatikerpreis.

Umsetzung

In unserer Inszenierung arbeiten wir mit Puppen, ohne jedoch traditionelles Puppentheater zu machen. Wir arbeiten an einer Erzählweise weiter, wie wir sie in der letzten Arbeit des theater konstellationen, in Heidi, das Original. mit Erfolg entwickelt haben.

Im Mittelpunkt unserer Erzählweise steht das Ensemble. Die vier Spielerinnen und Spieler können in die Rollen der verschiedenen Stückfiguren schlüpfen. Sie tun das in erster Linie über die Sprache. Mit sparsam eingesetzten äusseren Mitteln. Die Spieler sind immer alle auf der Bühne. Die Bühne trägt sowohl Zeichen eines Sezierraumes als auch eines Gerichtssaals. Denn hier wird die Passionsgeschichte Adam Geists nochmals durchlebt. Wir erzählen das Leben Adam Geists aus der Perspektive nach seinem Tod. – Hätte es einen Ausweg gegeben? Das ist die Ausgangslage. Dieser epische Ansatz liegt schon im Stück begründet und ist hier für die Erzählweise mit Puppen verschärft.

Die Inszenierung läßt Adam Geist neben seiner Mutter und dem Mädchen post mortem als Puppen erneut in Erscheinung treten und die Stationen von Adams Leben noch einmal durchmessen. Die wehrlose Lebhaftigkeit dieser nachgestalteten Kreaturen steht im Kontrast zu den sprachmächtig erzählenden Spielern, die den Puppen ein ums andere Mal in den Szenen dieser Passsionsgeschichte herausfordernd und prüfend entgegentreten.

Die Geschichte von Adam Geist wird hier zu einem Totentanz, in dem die Toten wiederkehren auf den Seziertisch der Geschichte und sich der Frage nach der Schuld stellen müssen.

In unserer Inszenierung wird viel mit Klang- und Tonmaterial gearbeitet. Die Aktionen und Texte werden von den Spielern auf der Bühne live vertont. Elektronisch gespeicherte Klänge, Geräusche, auch Texte können von allen Spielern abgerufen werden. Die Bühne behält eine grösstmögliche Autonomie. Nur so ist es möglich, das gespeicherte Ton-Material als gleichwertiges Erzählmittel neben Puppen, Text und Schauspiel einzusetzen. – Der Schauspieler als Erzähler behält seine Mittel im Griff und die Puppe ist nur eines davon. Die Stärke einer Puppe liegt gerade nicht im Absondern langer Texte. – Ihre Stärke liegt in konkreten physischen Handlungen, in bewegten Bildern, vielschichtig lesbar. Wir suchen in unserer Inszenierung also nicht nach Deckung von Puppenaktion und Text, sondern nach einem Neben- und Nacheinander von Bild- und Textvorgang.