Grete L. und ihr K.

Ein handgreifliches Kammerspiel um die Ohnmacht der Liebe

theater konstellationen präsentiert das Stück der Gruppe
Claus Knecht Großmann

„Eine großartige Vorführung dessen, was Puppentheater leisten kann.“ (WAZ Bochum)

„Mit der begeistert aufgenommenen Uraufführung „Grete L. und ihr K.“ ist gestern die FIDENA 2008 so fulminant zu Ende gegangen wie sie begonnen hatte.“  (ZDF Theaterkanal)


Erzfeinde seit je: Kasper und Teufel. Letzterer zieht wieder und wieder den Kürzeren und ersinnt wütend eine List: Er macht den mit der langen Mütze verliebt und verkuppelt ihn mit seiner Nachbarin Grete L. Beide sind typische Großstädter und als Singles keine Kinder von Traurigkeit. Anfangs blind und blöd vor Liebe, ist das Familienleben dann natürlich eine handfeste Beziehungskrise, auf deren Gipfelpunkt sich Kasper den Strick nehmen will. Hängt ihn höher, scheint der Teufel endlich zu frohlocken... Die alte Geschichte um Kasper, Teufel und & Co. wird hier fulminant und mit aller fürs Handpuppentheater gebotenen Drastik neu und definitiv nicht jugendfrei erzählt.


Gruppe

Susanne Claus, Jonas Knecht und Lutz Großmann lernten sich beim Studium an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ kennen und arbeiteten danach an verschiedensten Projekten im In- und Ausland. 2008 realisierten sie im Rahmen des Jubiläumsfestivals der „FIDENA – Figurentheater der Nationen“ ihr erstes gemeinsames Projekt "Grete L. und ihr K." und wurden mit dieser Inszenierung inzwischen auf eine Vielzahl internationaler Theaterfestivals eingeladen.

Grünschnabel- Förderpreis 2010

 

GRÜNSCHNABEL 2010

AARGAUER FÖRDERPREIS FÜR JUNGES FIGURENTHEATER

Der Aargauer Förderpreis für junge Figurentheater «Grünschnabel» (Figur Heike Wagner, Ennetbaden) wurde am Sonntag 13. Juni 2010 um 18 Uhr auf der Bühne des Kurtheaters, unmittelbar vor der Aufführung von «De Grote Oorlog – The Great War» der niederländischen Gruppe Hotel Modern, zum vierten Mal verliehen. Die einführenden Worte vermittelte Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, die Laudatio hielt die diesjährige Gastjurorin, Annette Dabs aus Bochum. Sie verlas auch den folgenden Text der dreiköpfigen Jury: 

«Der Aargauer Förderpreis für junge Figurentheater "Grünschnabel 2010" geht an das Künstlerkollektiv Claus, Knecht & Grossmann. Ihre Produktion "Grete L. und ihr K" vereint hohe bildnerische Qualität mit souveräner Animation, sie vereint schauspielerisches und musikalisches Können. Die sehr eigene Handschrift der Puppen und der feingestimmte Zusammenklang der beiden Spieler sind ein Genuss. Der scheinbar schwerelose Wechsel der Spielebenen auf gleichbleibend hohem Niveau sowie die Ernsthaftigkeit des Spiels, mit gleichzeitig augenzwinkernder Distanz zum Geschehen ist beeindruckend.»

Der «Grünschnabel»: Aargauer Förderpreis für junges Figurentheater
Der mit 10'000 Franken dotierte Preis «Grünschnabel» wird jeweils an eine der im Rahmen des Festivals auftretenden Theatergruppen verliehen, die am Anfang ihrer professionellen Laufbahn stehen. Ziel ist die Förderung junger Gruppen oder Einzelkünstler, die mit einer eigenen künstlerischen Sprache und besonderem schöpferischem Potential auf sich aufmerksam machen.

Presse

 

POTSDAMER NEUESTE NACHRICHTEN VOM 05.11.2009 VON GEROLD PAUL 
Von Tod und Teufel 

"Zum Jauchzen schön: das grandiose Handpuppenspiel 'Grete L. und ihr K.'"

 

Seit eh und je und bei jeder Gelegenheit erprobt der Teufel seine Künste, und immer verliert er am Ende. Zwischendurch aber darf er Erfolge feiern, große für ihn, bittere für seine Opfer. Mit dieser heutzutage eher seltenen Einsicht begann am Dienstagabend das grandiose Handpuppen-Spiel „Grete L. und ihr K." des Künstlertrios Claus Knecht Großmann aus Berlin. Diese zum Jauchzen schöne, obwohl nicht ganz jugendfreie Produktion war als Teil von Unidram zugleich auch Bestandteil der bestens besuchten "Langen Nacht des Figurentheaters" mit dem sinnigen Titel "Bis in die Puppen". 

Wie alle anderen Vorstellungen war auch sie ausverkauft, doch gerade diese verwandelte, ach was, verzauberte Bühne wie Publikum, als ob sie Goethes .Jahrmarktsfest zu Plundersweilern" nachstellen wollte. Na ja, was Grete mit Kasper, Kasper da mit Grete tat, war den jungen Leuten ja vertraut: Zanken, Streiten, Auseinanderlaufen inklusive. Aber alles kein Menschenwerk. Die Unterwelt braucht Seelen, und so macht sich der glatzköpfige Böse mit seinem feuerroten Umhang selbst daran, Margarete L. auf K. anzusetzen. Sie ist bereits 36, stammt aus Berlin und will endlich Familie und Kinder haben, verschiedene Beziehungen davor hielten gerade deshalb nicht. 
Mit der Kraft des lendengesteuerten K. geht dann alles sehr schnell. Wird der arme Teufel wenigstens einen der beiden kriegen, oder wieder mal nicht? 

Eingestimmt auf diese Geschichte war das Publikum schon durch die "Bedrängnisse der Virginia" sowie durch ein betont melancholisches Stück des Objekttheaters "TAMTAM" aus Deventer. Es hieß "Survival oder wie man Murphys Gesetz überlebt". Nun wurde man zwar nicht belehrt, wer dieser Murphy ist, dafür aber vorn Meister Gerard Schiphorst mit satten Bluesklängen zur Gitarre begrüßt. Sein Spielfeld ist ein länglicher Tisch, dahinter eine echte Guckkastenbühne im blauen Licht. Zusammen mit Marije van der Sande bewegt er, stets sichtbar, das kleine Universum des anderen Herrn, ebenfalls mit dem Namen K. Dieses Universum ist bescheiden, nur aus einem windschiefen Haus, einem Baum und dem Hund bestehend. Weil dies aber irgendeinem Bösen nicht gefällt, rücken "anonyme Mächte" heran, ihm alles zu nehmen. Zwei Hämmer, Stichsäge, Lampen, Scheren, sogar ein alter Bettwärmer aus Zink beteiligen sich an der Vertreibung. Nonverbales, poetische Bilder von Wehr und Gegenwehr. Zuletzt baut sich dieser K. – die Anspielung auf Figuren aus dem reichen Universum des Schriftstellers Kafka ist eindeutig – aus den Schindeln seines Daches ein Flugzeug. Denn Überleben ist nur noch durch Flucht möglich. 

Nach diesem Mikrodrama für Adleraugen zeigte die Berlinerin Uta Gebert "Cocon'', das surreale Spiel für ein mitfühlendes Gespenst, ein kleines Menschenpuppenkind und sie selbst. Das langkrallige Weiße entwächst der Wüste, das Kind wird aus einem Uterus kopfüber geboren, erleidet einen Krieg, wird dann zu zwei aus der Erde ragenden Armen geführt, diese halten ein Buch. Dazu gab es elektronisch-kosmische Klänge, das Ende bleibt offen. Mehr poetisch als dramatisch das Ganze, aber auch zu fortgeschrittener Stunde gut besucht und freundlichst aufgenommen. 

Und wie ging gleich Kaspers tolldreiste Geschichte in "Grete L. und ihr K." aus? Das Paar hatte sich getrennt, Kaspers Leben endet verzweifelt am Strick. Frohlocken bei Teufel und dem bleichgesichtigen Tod! Auch Gretes Reue kommt zu spät, sie geht dahin. Dies aber konnte nach der Prämisse nicht sein, das Böse durfte nicht siegen. Und tatsächlich, die intelligente, rasante, lakonische Aufführung entpuppte sich als Spiel im Spiele eines Theaters. Also trottete das Pärchen zum Finale sehr verliebt aus der Szene, wie bei einem Chaplin-Film. Wer verlor? Das Publikum jedenfalls nicht, dank Unidram und der stets präsenten Frau Muse. Sie verteilte rund ums T-Werk ihre dicksten besten Küsse. 

Jahrbuch „Theater der Zeit“ 2008
Schauplatz Ruhr – Puppentheater

Den Abschluß des Festivals bildete das Trio Claus, Knecht & Großmann mir der Uraufführung ihres Stückes „Grete L. und ihr K.“, das in Co-Produktion mit der FIDENA entstand. Auch hier spielt Gewalt eine Rolle, jedoch auf ganz andere, humoristische Weise.

Es geht um die Frage des ewigen Konkurrenzkampfes zwischen Kasper und Teufel, den traditionell stets der Kasper gewinnt. Dem Teufel reicht es allerdings, nun schon seit Jahrhunderten der sichere Verlierer zu sein und so läßt er sich immer perfidere Mittel einfallen, um Kasper zur Strecke zu bringen. In einem früheren Stück von Lutz Großmann mit dem Titel „Kasper tot. Schluß mit lustig?“ verpaßte der Teufel Kasper einen Gehirntumor. Weil er damals sein Ziel nicht erreichte, greift er diesmal zu noch drastischeren Mitteln: Er macht Kasper verliebt.

Auf der Bühne werden zwei Castelaits zu den Singlewohnungen von Grete L. und Kasper. Zunächst lebt Kasper wie ein typischer einsamer Großstadtbewohner: Er frißt, säuft, scheißt, onaniert und verläßt seine Behausung dann und wann für einen One- Night- Stand. Das ändert sich jedoch schlagartig, als er, durch den Teufel vermittelt, Grete L. kennenlernt. Blind und blöd vor Liebe, tun die beiden das, was alle tun: Aus zwei Singles wird ein Pärchen und daraus eine junge Familie. Das ganze klingt zunächst romantisch, doch schon bald stecken die Beiden mitten in einer handfesten Beziehungskrise, die sie mit Kursen zur Gewaltprävention zu lösen versuchen, daran scheitern und sich letztlich trennen. Doch Kasper will nicht mit und kann nicht ohne Grete L. Seine Mütze hat ihm Gretel längst vom Kopf gezerrt und seine Pritsche wirft er fort: Kasper beschließt, sich das Leben zu nehmen, und die Rampensau von Teufel steht folglich kurz vor seinem ersten großen Erfolg...

Susi Claus und Lutz Großmann übertragen in ihrem Spiel eine Begeisterung für die alte Geschichte rund um den Kasper, Gretel, Teufel & Co, der sich die Zuschauer nicht erwehren können. Ihr Spiel mit den Puppen – und vor allem auch mit ihren Stimmen – ist brillant und einfach urkomisch. Dabei scheuen sie sich nicht, ihr Castelait damit manchmal auch ihre Rolle als Puppenspieler zu verlassen und die Distanz zu ihren Charakteren aufzugeben. Denn ganz anders, als wir es aus eigener Erfahrung zu kennen glauben, ist ein Happy End vielleicht nur im „wahren“ Leben möglich.