Nekropolis – Die Stadt gehört uns!

Eine Live Hörspielserie


Was ist der Mensch?
Wenn es nach den Klügsten unter uns geht (Intellektuelle etc.), dann ist er so gut wie tot, also halb lebend, halb tot. Oder was soll man von einem Menschen halten, der mit den transplantierten Herzklappen eines Toten herumrennt? Was von einem Komapatienten, der jahrelang weder richtig stirbt noch richtig lebt? Was von den schönheitschirurgisch aufpolierten Models, die in ihrem Kampf gegen Alter und Tod am Ende aussehen wie Zombies? Was sollen wir von uns selbst halten? Von uns allen, die wir uns halb zu Tode schuften oder halb zu Tode shoppen oder halb zu Tode saufen?

„Nekropolis – Die Stadt gehört uns!” ist eine Serie von LiveHörspielen mit viralem Charakter. Das Sujet: Die Ausrottung der Menschheit durch eine globale Seuche in Gestalt von Zombies.

Den Pilot zur Serie produziert theater konstellationen im Frühjahr 2016 – dann taucht das Virus am Theater St. Gallen auf, eingeschleppt von den Neuen, und pflanzt sich, ausgehend von diesem Infektionsherd, systematisch fort, von Theater zu Theater, von Stadt zu Stadt, von Folge zu Folge.

Nekropolis – Kurz & Kritisch


"Nekropolis ist brillant gespielt. Tobler und Hitz werfen sich hart am Publikum mit vollem, manchmal riskantem Körpereinsatz in die scharfen Dialoge der Autorin Anita Augustin. Ein schönes Versprechen, denn Anja Tobler und Hans-Jürg Müller gehören ab Sommer neu zum St.Galler Schauspielensemble des neuen Direktors Jonas Knecht. Dieser führt klug Regie im beengten Raum."

Peter Surber im Saiten - Ostschweizer Kulturmagazin

Das Projekt

Nekropolis – Die Stadt gehört uns! ist eine Serie von Live Hörspielen mit viralem Charakter. Das Sujet: Die Ausrottung der Menschheit durch eine globale Seuche in Gestalt von Zombies.

Die erste Folge wird 2016 am Theater St. Gallen produziert. Ausgehend von diesem Infektionsherd soll sich das Virus systematisch fortpflan- zen, von Theater zu Theater, von Stadt zu Stadt, von Folge zu Folge. Jede Folge hat lokalen Bezug: Das Hör- spiel in St. Gallen erzählt vom Ausbruch der Seuche in St. Gallen, das Hörspiel in Stuttgart erzählt von den untoten Stuttgartern. Je mehr Theater sich anstecken lassen und (mit geringem Aufwand) eine Folge der Serie produzieren, desto größer die Chance, dass wir es zu einer veritablen Pandemie bringen. 

Parallel zum realen Raum wird auch der virtuelle zombifiziert. Auf einer Nekropolis-Website, die mit den Homepages der verbündeten Theater verlinkt ist, kann der interessierte Endzeitzuschauer die einzelnen Folgen als Mitschnitt streamen. Außerdem wird er mit Informationen über den aktuellen Stand der Seuche, die effizientesten Maßnahmen im Anti-Zombie-Kampf, den optimalen Barrikadenbau etc. versorgt. So bleibt das gesamte Nekropolis-Publikum vernetzt. Wer will, kann natürlich auch den Zug nehmen und von Folge zu Folge reisen.

Die Serie

Die Serie ist eine Seuche und breitet sich analog auf zwei Ebenen aus:

Erstens

auf der Ebene des seriell konzipierten Live Hörspiels selbst. Das kleine, schnelle Format ist mit wenig Aufwand realisierbar: zwei bis drei Spieler aus dem jeweiligen Ensemble, ein paar Requisiten, Mikrofone. Das Team von ZOMBIEZOFFTM stellt den Regisseur (Live-Hörspielprofi Eike Hanemann) und den Text (Live-Hörspielprofi Anita Augustin). Jede neue Folge referiert auf die vorhergehende und nimmt Bezug auf die nächste, aber auch parallel produzierte Folgen an unterschiedlichen Theatern sind verlinkt. Die Nekropolis-Website hält das gesamte Publikum lokal unabhängig auf dem Laufenden. Früher oder später werden wir nicht umhin kommen, Foren für die Überlebenden einzurichten und Apps vom Typ Zombie Survival Guide anzubieten.
Auf Postings vom Typ Hilfe! Ich wurde gebiss...arrrggghhh freuen wir uns schon jetzt.

Zweitens

breitet sich die Seuche schlichtweg dadurch aus, dass wir von ihr erzählen. Es gehört zu den Gemeinplätzen einer medial hochgerüsteten Gesellschaft, dass Narration ansteckend ist. Was die Gestaltung der Story betrifft, so fühlen wir uns zutiefst dem Genre in seiner ebenso bestürzenden wie beglückenden Schlichtheit verpflichtet: Ein bislang harmloses Virus mutiert, dringt in den nächstbesten menschlichen Organismus ein, und los geht’s!

So schlicht das narrative Schema, so vielfältig und schillernd die Details (Figuren, Erzählstränge etc.).Wir werden es diesbezüglich an Phantasie nicht mangeln lassen. An Relismus sowieso nicht. Wir werden das Live Hörspiel durch diverse Reality-Formate ergänzen und Anti-Zombie-Kampf-training anbieten, Expertenkonferenzen zum Thema Posthumanismus einberufen, mit Lokalpolitikern über ihr Versagen bei der Seuchenbekämpfung diskutieren. Vor allem aber werden wir eines: Das Phänomen Zombie ernst nehmen.

Das Phänomen

Vor siebzig Jahren hat man die ersten lebenden Toten gesichtet, da sind sie auf der Bildfläche erschienen, und sie waren nicht weiter bemerkenswert. Traurige Gestalten aus der untersten Splatterschublade. Wir erinnern uns gerne an sie, wir werden nostalgisch dabei. Nein, was waren die Dinger harmlos! Hängende Schultern, stumpfer Blick, dazu der notorisch schleppende Gang, das traumwandlerische Taumeln Richtung Opfer mit ausgestreckten Armen, mehr flehend als bedrohlich, um Hilfe heischende Geste der Bestie, alles sehr niedlich. Und schnell erledigt.

Hacke raus, Rübe ab, fertig.

Der Schlichtheit des Tötens in den frühen Zombiefilmen entspricht die Schlichtheit des Diskurses rund um das Phänomen selbst. Was ist ein Zombie? Was bedeutet er? Antwort:Voodoo macht’s möglich, Belebung der Toten zum Zwecke ihrer Versklavung, aber dann rotten sie sich zusammen und proben den Aufstand. Unscharfe Kapitalismuskritik, Revolte der Lohnsklaven, klappt nicht so richtig, sie sind so blöd, im Genreklassiker Night of the Living Dead schwanken sie willenlos durch einen Supermarkt, und man weiß nicht so recht: Wollen die jetzt einkaufen oder was?

arrrgghhhh!

Heute sieht die Lage so aus: Zombies sind schnell, Zombies sind aggressiv. Sie wollen nicht einkaufen, sie wollen das Fleisch gratis. Unser Fleisch. Kein fauler Zauber hat ihnen zu ihrem untoten Leben verholfen, sondern einVirus. Zombies sind neuerdings krank. Blöd sind sie nach wie vor, aber nur als Individuen. Aus den Gruppen oder Horden, zu denen sich die Untoten der Pionierzeit mehr oder weniger willenlos zusammengerottet haben, ist eine millionenköpfige Masse mit Schwarmintelligenz geworden. Die Zombies des 21. Jahrhunderts sind keine Sklaven, haben keinen Herrn und brauchen keinen Führer. Freie Untote, Netzwerkzombies; verlinkt im Zeichen des kollektiven Willens, der da heißt: fressen!

Hungrig waren die Zombies schon immer, aber was sich früher als Karikatur eines Primärtriebs dargestellt hat (alles Lebende will Nahrung), erscheint bei den pathologisch aufgerüsteten Zombies der Gegenwart in völlig neuem Licht: Sie beißen nicht, weil sie hungrig sind, sondern weil sie ansteckend sind. Es geht nicht um Kannibalismus, es geht um Infektion. Wie es aussieht, wollen die zeitgenössischen Zombies vor allem eines: sich vermehren. Geschlechtliche Fortpflanzung ist ihnen in der Regel verwehrt, aber das haben sie auch gar nicht nötig.

Wozu Sex, wenn es die Seuche gibt?

Reproduktion durch Infektion.Wir ahnen, worauf die Sache hinausläuft.Wir ahnen Schreckliches: Die Masse der lebenden Toten arbeitet nicht an unserer Vernichtung, sie arbeitet an unserer Wiedergeburt als ihresgleichen.

Und jetzt mal ehrlich: Wäre das nicht wunderbar? Wäre das nicht in vielerlei Hinsicht ein Traum? Der politische Traum von einer durchdemokratisierten Weltgemeinschaft zum Beispiel?

Ein Volk, ein Wille, kein Führer?

Oder der sozialdigitale Traum vom perfekten Netzwerk? Oder der alte Menschheitstraum vom ewigen Leben, dem ein überwundener Tod vorausgeht? Nun ja, der vielleicht nicht, oder nur in einer paradoxen Paraphrase, denn als Zombies würden wir ja nicht ewig leben, sondern permanent sterben, und das post mortem. VirileVerwesung, Kadaver de luxe. Nicht besonders appetitlich, aber immer noch besser als tot sein. Oder?

Wie auch immer, eines steht fest: Die größte Herausforderung bei Nekropolis wird weniger darin bestehen, uns die Zombies vom Leib zu halten, als vielmehr darin, uns nicht freudig in ihre Arme zu werfen.